Projekt Weißenfels

BIO KOMP SAS GMBH
Branche Biomethanaufbereitung
Technik Dampf / KWK
Nennwärmeleistung 1.500 kW (Sattdampf)
Brennstoff Gebrauchtholz
3D Zeichnung der Anlage in Weißenfels

Unsere Anlage sorgt für...

2.565.000 kg

CO₂-Einsparung/Jahr

Umrechnungsgrundlage:
Emissionsfaktor: 0,3 t
CO₂-Einsparung pro MWh

Kluge Konzepte sichern wirtschaftlichen Betrieb der Biogasanlage – auch ohne EEG-Vergütung

Der Betrieb eben jener Biogasanlage steht jedoch wie so viele andere auch vor einem entscheidenden Wendepunkt: Die EEG-Vergütung für den eingespeisten Biogasstrom ist Anfang 2025 nach 20 Jahren Laufzeit ausgelaufen. Bedroht durch den Verlust der Wirtschaftlichkeit der Anlage, hat sich die Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd frühzeitig im Jahr 2019 damit auseinandergesetzt, wie eine Lösung, die den Erhalt der Biovergärung sicherstellt, aussehen kann. Genau dieses Konzept wurde auch gefunden! Hierfür hat man sich einen entscheidenden Faktor zunutze gemacht: Biogas lässt sich zu Biomethan aufbereiten und als Ersatz zu fossilem Erdgas nutzen. 

Statt das gewonnene Biogas für die Stromerzeugung zu nutzen, wird es am Standort des Kompostwerkes Weißenfels zukünftig zu Biomethan aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist. Das technische Verfahren, welches dafür zum Einsatz kommt, ist die Aminwäsche. In deren Prozess wird das im Rohbiogas enthaltene CO2 in einer Waschkolonne durch eine selektiv wirkende Amin-Waschlösung gebunden – übrig bleibt damit im Wesentlichen biogenes Methan. Anschließend wird das CO2 in der beladenen Waschlösung durch Erhitzung gelöst und das Amin kann für den nächsten Zyklus wiederverwendet werden.  

Schema des Prozess Biomethanaufbereitung

Die Aminwäsche bietet gegenüber anderen Verfahren der Biomethanaufbereitung den entscheidenden Vorteil, dass sie deutlich weniger stromintensiv ist. Diese Stärke zeigt sich vor allem im Winter, wenn die Strompreise hoch und schwer kalkulierbar sind. Für den Betrieb der Aminwäsche hingegen wird vor allem Wärme benötigt – insbesondere für die Regeneration des Lösungsmittels. Mit der richtigen Wärmequelle lassen sich die Wärmekosten jedoch wesentlich zuverlässiger und günstiger kalkulieren als die Stromkosten. 

Wärme benötigt - feste Biomasse springt ein

Die Umstellung auf die Biomethanaufbereitung macht eine neue Wärmequelle erforderlich – und das aus zwei Gründen:
1. Deckung des Wärmebedarf der Aminwäsche (wie oben beschrieben)
2. Versorgung von bereits am Standort vorhandenen Wärmevebrauchern – beispielsweise für die Beheizung der Fermenter und der Bürogebäude
3. Ausbaumöglichkeit für Nahwärmenetz der Stadt

Hier kommt die feste Biomasse ins Spiel

Schematische Darstellung einer Umsetzung für bestehende Biogasanlagen anhand der EGST in Saerbeck.

Um diesen Wärmebedarf zukünftig zu decken, wird am Standort eine Biomassekesselanlage errichtet. Den Grundstein bildet ein Dampfkessel mit einer Nennwärmeleistung von 1.500 kW und einer Dampfleistung von 2,4 t/h. Der in der Anlage erzeugte Dampf wird einerseits an die Aminwäsche übergeben, andererseits an eine Dampfturbine weitergeleitet, die eine elektrische Leistung von 64 kWhel erzeugt. Der verbleibende Abdampf wird mit einer thermischen Leistung von 1.100 kW in einen Heizkondensator eingespeist. Am Heizkondensator wird nutzbare Wärme von insgesamt 9.000 MWh pro Jahr in Form von Warmwasser ausgekoppelt. Darüber hinaus bietet die Auslegung der Anlage die Möglichkeit, in Zukunft noch weitere Anwendungen – wie beispielsweise die Trocknung von Gärresten – mit Wärme zu versorgen.

Die Schmidmeier NaturEnergie GmbH übernimmt die Errichtung der Biomasseanlage und Kraft-Wärme-Kopplung in der Funktion des Generalunternehmers für den Anlagenbau.

Die Grafik zeigt ein Modell einer Biomasseanlage.

ALTE BEKANNTE UND NEUER WIND

Nachdem die Konzeptstudie für die Neuausrichtung des Standortes 2019 erfolgte, vergingen noch einige Jahre mit externen Planungsleistungen. Als das Ausschreibungsverfahren Anfang 2025 erfolgte, konnte sich Schmidmeier mit der Einreichung eines funktionalen Gesamtangebotes durchsetzen.

Nutzen, was schon da ist - extrem breites Brennstoffband aus dem Kompostwerk

Der Brennstoffbedarf von 4.200 Tonnen pro Jahr wird durch Waldrestholz und Altholz der Kategorien A I und A II gedeckt. Außerdem wird der Siebüberlauf, der im Rahmen des Vergärprozesses zur Kompostherstellung anfällt, zugeführt. Damit wird vermieden, dass derartige Abfälle kostenpflichtig extern entsorgt werden müssen. So liegt der Vorteil des Brennstoffes klar auf der Hand – regionaler und günstiger geht es nicht! 

Waldrestholz im Brennstofflager der Anlage Weißenfels.
Nahaufnahme von Holzpaletten in einem Brennstofflager.

Die massive, nach Industriestandard gebaute Anlage und die Biomasse-Feuerung sind perfekt auf das breite Brennstoffband abgestimmt. Ein hydraulischer Schubboden und ein Trogkettenförderer mit hydraulischem Einschub sorgen für eine problemlose Lagerung des Brennstoffs und Beschickung des Feuerraums. 

Kombinierte Rauchgasreinigung stellt Emissionswerte weit unter dem vorgeschriebenen Standard sicher 

Schmidmeier NaturEnergie setzt auf eine mehrstufige Rauchgasreinigung, die Emissionen mühelos unter die gesetzlichen Grenzwerte senkt. Das Verfahren besteht aus drei Stufen:

 

SNCR-Anlage im Feuerraum:

  • Eindüsung von Reduktionsmittel in den Rauchgasstrom
  • Stickoxide werden zu Wasserdampf und Stickstoff reduziert
  • wichtig: richtiges Temperaturniveau!

Multizyklon

  • Abscheidung aller groben Staubpartikel
Zeichnung eines Multizyklon

Gewebefilter

  • Abscheidung selbst feinster Partikel mit einem Abreinigungsgrad von über 99%
  • Additiv-Dosierung im Filterkuchen bindet zusätzliche Schadstoffe
Zeichnung eines Gewebefilters

VERÄNDERUNG ALS CHANCE

In Weißenfels hat man die anstehenden, von externen Faktoren geprägten Veränderungen als Chance verstanden. Die Geschichte macht deutlich, wie das Potenzial des Bestehenden (um-)genutzt werden kann und der Betrieb dadurch die Weichen für eine starke Zukunft stellt. Eine Zukunft, in der für Biogasanlagen sinnvolle, wirtschaftsstarke Möglichkeiten auch ohne eine EEG-Vergütung zur Verfügung stehen – umsetzbar mit einem starken Partner an der Seite und langfristigem Perspektiven.

Anlagedaten im Überblick

Leistung
Nennwärmeleistung 1.500 kW (Sattdampf)
Dampfleistung 2.200 kg/h
Kesselparameter Sattdampf, Betrieb 12 bar(ü), Absicherung 16 bar(ü)
Jährliche Wärmeerzeugung 9.047 MWh
Anlagedaten
Inbetriebnahme (Jahr) 2026 (geplant)
Feuerung Gegenstromfeuerung mit wassergekühltem Vorschubrost sowie primärer und sekundärer Rauchgasrezirkulation
Kessel liegender Rauchrohr-Großraumwasserkessel
Economiser Speisewassereconomiser
Rauchgasreinigung SNCR, Multizyklon, Gewebefilter
Brennstoff
Brennstoffart Gebrauchtholz
Jährlicher Brennstoffbedarf 5.326 t/a
Brennstofflager Brennstofflagerhalle mit Schubbodenaustragung

CO₂-Einsparung

2.565.000 kg
CO₂-Einsparung/ Jahr

Umrechnungsgrundlage:
Emissionsfaktor: 0,3 t CO₂-
Einsparung pro MWh

1.425 jahre
Autofahren

(150 g CO₂/ km) mit einem
Mittelklassewagen und
12.000 km/ Jahr

19.731
Flüge

pro Person auf einem
einfachen Flug von München
nach Berlin (130 kg CO₂)

305
mal

die Jahres-Pro-Kopf-
Emissionen je Einwohner
in Deutschland (8,4 t CO₂/ a)