
Naturgerechte forstwirtschaft?
Nicht ohne Energetische nutzung!
kurz & knapp
Forstwirtschaft mit verantwortung
Professionelle Nutzung lässt unseren Wald wachsen – durch naturnahe Eingriffe
Wie Forstwirtschaft den wald zur CO2-Senke macht
Der Zeitpunkt der Fällung bestimmt den Grad der besten Klimaneutralität
In der Praxis: Nachhaltigkeit sicherstellen
Ertragstafeln unterstützen als Werkzeug einen produktiven Holzeinschlag
Holzeinschlag unterstützt das natürliche Wachstum
Wie inteligente Holznutzung die Entwicklung des Waldes fördert
Erst das professionelle Zusammenspiel aus Holzentnahme und Durchforstung lässt den Wald seinen vollen Nutzen entfalten.
Kochen, Wärme, Behaglichkeit: Seit einer Million Jahre nutzt die Menschheit die Vorteile der Holzenergie. Die schont die Umwelt, schützt das Klima – und ist nachwachsend, weil sie aus heimischen Wäldern stammt. Und die wachsen: 101 Millionen Festmeter allein wächst der Wald jedes Jahr in Deutschland – ein Würfel von 500 Metern Höhe, Breite und Tiefe. Nur einen Teil davon nutzen wir – für Hausbau und Möbel, für Konstruktionen und für die Holzenergie. Ein Gewinn für alle.
Wie der Wald das Klima schützt
Der Klimawandel entsteht durch zu viel CO2 in der Atmosphäre. Das geruchlose Gras entsteht vor allem bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe – Gas, Kohle, Erdöl. Alle drei sind endlich. Sie wachsen nicht nach. Holz hingegen ist ein regenerativer Biomasserohstoff. Er wächst stetig nach. Und bindet beim Wachsen der Wälder CO2. So schützt unser Wald das Klima. Unsere Wälder speichern CO2 besser, wenn sie professionell bewirtschaftet werden. Das Ziel: Ein Gleichgewicht zwischen Holznutzung und Wachstum zu erreichen und damit gesunde Wälder zu erhalten. Denn sie schützen das Klima. Drei unterschiedliche Rollen kann der Wald dabei einnehmen.

Zerstörter Regenwald = CO2-Quelle
Die Rodung, Vernichtung und Übernutzung von Wald, wie z.B. am Amazonas, wirken als CO2-Quelle.

Unbewirtschafteter Wald = CO2-Neutralität
Unbewirtschafteter Wald bildet ein Gleichgewicht zwischen Verrottung und Zuwachs. Zusätzliches CO2 wird nicht gebunden.

Wachsender Wald = Zusätzliches CO2 wird gespeichert
Nachwachsendes Holz speichert zusätzliches CO2. Der Wald wird zur Rohstoffquelle und CO2-Senke. Er schützt dadurch das Klima. So funktioniert Forstwirtschaft in Deutschland.
Forstwirtschaft mit Verantwortung
Nach Recht und Gesetz: Wie Professionelle Forstwirtschaft den Wald schützt
Dass der Wald wächst, ist kein Zufall. Sondern das Ergebnis gesetzlicher Regelungen. Das Bundeswaldgesetz (BWaldG) schreibt die ordnungsgemäße Bewirtschaftung des Waldes vor. Die Forstwirtschaft ist per Gesetz dazu verpflichtet, Holz aus deutschen Wäldern
dauerhaft und nachwachsend zu erzeugen. Forstverwaltungen der Bundesländer wachen über alle Waldbesitzer und Waldflächen. Sie begrenzen Kahlschläge, gebieten Aufforstungen und sichern Waldeigenschaften und -funktionen (Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion).
Und die Gesetze wirken: Seit Jahren wächst der Holzvorrat im deutschen Wald. Aufforstungen nach Schadereignissen und der Umbau zu naturnahen Wäldern leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung klimagerechter Bestände.
Exkurs: Schutz und Erhalt der Wälder bereits historisch in Deutschland verankert
Bereits im vorindustriellen Zeitalter waren in Deutschland die natürlichen Wälder durch Übernutzung weitgehend devastiert. Ein Reisender soll damals notiert haben: „Ich war Tage unterwegs und konnte keinen Baum finden, stark genug um einen Mann daran zu hängen.“ Namenhafte Forstwissenschaftler, allen voran Hans Carl von Carlowitz (Autor von „Sylvicultura oeconomica“), setzten sich deutschlandweit für Aufforstungsprogramme mit schnellwachsenden Nadelbaumarten (im norddeutschen Flachland die Kiefer, im südlichen Bergland die Fichte) ein, die die Holznot langfristig lindern sollten.
Entscheidend dabei war die „nachhaltende Forstwirtschaft“, bei der nicht mehr Holz geerntet werden darf als wieder nachwächst. Die deutsche Forstwirtscahft gilt fortan als Begründerin der Nachhaltigkeit, die hier vor über dreihundert Jahren Einzug gehalten hat. Abgesehen von Reparationsleistungen nach dem Krieg galten diese Vorgaben ununterbrochen.

Abbildung 1: Porträt von Hans Carl von Carlowitz, Sch, Martin Bernigeroth, Public Domain
Die Jüngste Bundeswaldinventur bestätigt: Der wald Wächst (Beispiel 2012 - 2022)
Bilanz von Zuwachs und Wachstum

Abbildung 2: Bilanz von Zuwachs und Nutzung, Bundeswaldinventur, Oktober 2024, https://www.bundeswaldinventur.de/fileadmin/Projekte/2025/Bundeswaldinventur/BWI-2022_Broschuere_bf-neu.pdf
Dass die gesetzliche Vorgabe in der Realität ankommt, zeigen die Daten der Bundeswaldinventur. Der deutsche Wald wächst jedes Jahr um über 100 Millionen Festmeter. Dass entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von rund 500 Metern. Nur zwei Drittel dieses Zuwachses werden geerntet. Das bedeutet: Unser Wald wird in Deutschland stetig größer. Das macht Holz zu einem sicheren – weil stetig nachwachsenden – Vorrat im Gegensatz zu Kohle, Gas oder Öl. Deren Vorräte sind endlich.
DIE JÜNGSTE BUNDESWALDinventur beweist: es wächst in jedem jähr deutlich mehr holz Im deutschen Wald, als verbraucht wird.
Wie Forstwirtschaft den Wald zur CO2-Senke macht
Der wald als Gesamtheit - Ein Entscheidender Faktor für Die Klimaschonung

Abbildung 3: Lebenszyklus eines Baumes in Hinsicht auf die CO2-Speicherung, eigene Darstellung
Im Lebenszyklus eines Baumes erhöht sich dein laufender jährlicher Zuwachs. Damit steigt auch die Fähigkeit, CO2 zu speichern. Das geschieht bis zum Erreichen eines Maximums. Danach sinkt die CO2-Speicherfähigkeit, bis die Pflanze abstirbt. 1 m3 Holz kann beispielsweise etwa
1 t CO2 speichern, ein Baum mit einem Durchmesser von 30 cm und einer Höhe von 20 m kann so bis 1,41 t CO2 abspeichern. Mithilfe mathematischer Modelle lässt sich der Zeitpunkt des größten produktiven Effektes bestimmen.
Zu diesem Zeitpunkt sollte der Baum entnommen und genutzt werden. So kann Raum für nachwachsende Bäume entstehen, die wiederum mehr CO2 binden können, als der alte Baum, nachdem er den Punkt seiner größtmöglichen Produktivität überschritten hat.
Ein abgestorbener Baum, dessen Holz nicht entnommen wird, macht keinen Platz für neue Bäume frei. Er verrottet und gibt das aufgenommene Co2 ohne Nutzung wieder in die Atmosphäre. Forstwirtschaft schließt Die Lücke der entnommenen Einzelbäume und stellt Durch Zuwachs sicher, dass der Wald eine optimale Menge von Co2 binden kann.

In der Praxis: Nachhaltigkeit sicherstellen
Ertragstafeln und Hiebsatz sichern produktivität und Co2-Bindung
Anhand einer mathematischen Modellierung, mithilfe sogenannter Ertragstafeln steuern Förster den Zeitpunkt der Entnahme von Holz Stamm für Stamm. Damit wird stets die größte Produktivität des Bestandes gesichert. Diese höchstens zu entnehmende Holzmenge,
um die Produktivität sicherzustellen, wird Nachhalthiebsatz genannt. Er stellt zugleich ein Optimum dar. Würde dieser Richtwert regelmäßig überschritten, gerate die Leistungsfähigkeit des Waldes in eine Abwärtsspirale.
Der Wald würde seinen Funktionen nicht mehr gerecht werden können. Wird dagegen der Nachhalthiebsatz unterschritten, verzichten Waldbesitzer auf entnehmbares Holz – und die Gesamtproduktivität ihres Waldes verlangsamt sich.
Forstwirtschaft in der Praxis: Arbeit mit Ertragstafeln
Beispiel einer Ertragstafel zur Steuerung einer professionellen Hiebsführung
Landesforstanstalt Eberswalde

Abbildung 4: Ertragstafel Gemeine Kiefer. Lembcke, Knapp, Dittmar. Landesforstanstalt Eberswalde. https://forst.brandenburg.de/sixcms/media.php./9/hilfstaf_2016.pdf
Das nebenstehende Beispiel einer Ertragstafel einer Kiefer zeigt dem Förster, wie viele Bäume er in dem Waldbestand in Abhängigkeit von
- der Ertragsklasse (Wuchs abhängig von der Leistungsfähigkeit des Standortes)
- Alter und Grundfläche (Fläche, die die Bäume und im Vergleich zur Gesamtbodenfläche entnehmen) entnehmen kann.
Wie funktioniert das in der Praxis? Der Förster kennt Alter und Ertragsniveau des Bestandes und ermittelt dessen aktuelle Grundfläche durch Messung. Die Differenz zum Wert der Ertragstafel, also der verbleibende Bestand, kann in Form einzelner Stämme entnommen werden. Das sind in der Regel die schwachen und weniger wachsigen Bäume.
Die verbleibenden Bäume wachsen befreit von konkurrierenden und bedrängenden Bäumen weiter. Dieser Vorgang wird Zukunftsbaum-(Z-Baum)-Durchforstung genannt. Dabei wird ein Stamm ausgewählt, der als Zukunftsbaum deklariert wird. Dieser wird durch die Entnahme von nah stehenden Bäumen („Bedrängern“) in regelmäßigen Abständen freigestellt, damit kontinuierlich und unbedingt Zuwachs durch den Z-Baum erreicht werden kann.
Wald als CO2-Senke funktioniert nur, wenn Holz nachhaltig genutzt wird und Bäume nachwachsen können. In Deutschland sichern Waldgesetz und Forstbehörden, dass Wälder nicht übernutzt oder vernichtet werden. Im Gegenteil - ein stabiler Vorratsaufbau sichert die Waldfunktionen und die Ressource Holz. Nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern so lange gegeben ist, so lange der nutzen und Zuwachs im Gleichgewicht sind. Dann wird auch kein zustzliches CO2 dem Kohlenstoffkreislauf zugeführt.
Holzeinschlag unterstützt das natürliche Wachstum
Waldflächen: Unterschiedliche Hiebsarten im Überblick
Kleine Waldflächen können sehr unterschiedlich strukturiert sein. Deshalb fassen Förster sie zu sogenannten Nachhalteeinheiten zusammen. Damit sichern sie, dass alle Altersklassen gleichmäßig vertreten sind und Holz gleichförmig entnommen werden kann. Im Idealfall sind von jeder Altersklasse gleichviele Bestände vorhanden. In der klassischen Kahlschlagwirtschaft ließe sich das mit einem Schachbrett vergleichen, bei dem eine Baumart im Alter 64 ihre höchste Produktivität erreicht (Umtriebszeit). In jedem Jahr könnte somit rechnerisch ein Feld beerntet werden.
In der Praxis sind die Wälder natürlich hinsichtlich ihrer Verteilung und Zusammensetzung viel unterschiedlicher. Auch die Umtriebszeit ist – je nach Baumart deutlich höher. Die Nachhalteeinheiten sind daher groß (bis 10.000 ha) und bilden die unterschiedlichsten Waldzustände und Bewirtscahftungsformen in einem Gebiet ab. Das damit verbundene Ziel bleibt aber identisch: Es soll in den deutschen Wäldern nicht mehr Holz genutzt werden, als nachwächst. Damit wird die höchste Produktivität und Stabilität eines Waldes – und somit auch die bestmögliche CO2-Speicherung erreicht.

verschiedene Formen der Waldbewirtschaftung mit unterschiedlicher altersklassenverteilung

Abbildung 5: Schlagformen in der Forstwirtschaft je nach Ziel der Bestands-Verjüngung, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/schlagformen/59376
Vom Kahlschlag hin zu zukunftssicheren Waldbeständen
Eine Vorstellung davon, wie schwierig die exakte Ermittlung des Nachhalthiebsatzes ist, vermittelt die Darstellung der unterschiedlichen Waldbilder in Abhängigkeit von der Bewirtschaftungsform. Am bekanntesten und weit verbreitetsten sind die in Kahlschlägen bewirtschafteten Monokulturen der produktiven Nadelbaumarten Kiefer im Tiefland und Fichte im Bergland. Wegen der nachteiligen Wirkung der Kahlschläge (Bodenerosion) und der Insektenanfälligkeit der
Monokulturen (Käferbäume, Kalamitätsholz), findet seit einigen Jahrzehnten deutschlandweit ein Waldumbau statt. Das Ziel: Die Bewirtschaftung von stabilen Mischbeständen ohne Kahlschlag. Dieser Prozess beginnt häufig mit Schirmschlägen, bei denen nachkommende Pflanzen anderer Baumarten – zunehmend Laubbaumarten – unter dem Schirm eines stark aufgelichteten Altbestandes geschützt aufwachsen.
Der Saumschlag ist eine Sonderform, um die Angriffsfläche für den Wind zu minimieren und Windwurf zu vermeiden. Beim Femel- und Plenterwald erfolgt die Entnahme der Bäume auf kleinsten Flächen, beim Plenterwald in Form von einzelnen Stämmen. Gemeinsam ist allen Formen der Entnahme, dass sie vor einer unzulässigen Übernutzung schützen. Denn dies würde gegen die im Waldgesetz vorgeschriebene Dauerhaftigkeit einer ordnungsgemäßen Waldbewirtschaftung verstoßen.
Was geschähe eigentlich, wenn auf die Holzentnahme und anschließende Nutzung gänzlich verzichtet würde?
Wird kein Holz mehr entnommen, stellt sich nach und nach ein Prozess ein, in dessen Folge das Holz verrotet. Statt in einer Nutzungskaskade CO2 langfristig zu binden, würde das Klimagas ohne jeden Nutzen auf dem Wege der Verrottung wieder freigesetzt.
Damit würde das Klima zusätzlich belastet. Die CO2-Senkenfunktion des Waldes wäre damit eingeschränkt. Nur auf dem Weg einer kontinuierlichen Durchforstung und Holzentnahme entsteht Raum für nachwachsende Bäume, die CO2 binden können.
Durch die professionelle Pflege, die die Forstwirtschaft leistet, kann der Wald mehr CO2 binden, als er etwa im Zustand der Verrottung abgestorbener Bäume in die Atmosphäre entlassen würde.
Zuerst Stofflich, dann energetisch: Kaskadennutzung schützt das Klima

Abbildung 6: Eigene Darstellung, basierend auf Werten der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (Stand Februar 2026): https://mediathek.fnr.de/grafiken/holz/holznutzung/verwendung-von-waldholz-derbholz.html
Um das Klima zu schützen ist es wichtig, das geerntete Holz möglichst lange stofflich zu nutzen und das gebundene CO2 im Bau, als Möbel oder als Papier zu fixieren. So gelingt die zeitlich längste Speicherung des CO2. Spätestens am Ende einer solchen Nutzungskaskade folgt dann die energetische Verwendung als Altholz.
Holz, das nicht für die stoffliche Nutzung geeignet ist – zum Beispiel Säge- oder Waldrestholz, wir umgehend ohne Kaskade energetisch genutzt. Dies geschieht meist in Form von Hackschnitzeln oder Pellet.
Bei der energetischen Nutzung von Holz wird genau soviel CO2 freigesetzt, wie zuvor in der Wachstumsphase gebunden wurde bzw. wie bei der Verrottung abgegeben werden würde. Diese CO2-neutrale energetische Nutzung trägt durch den Substitutionseffekt dazu bei, die klimaschädliche Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Gas, Öl und Kohle zu vermeiden.
Fazit
Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft – wie sie seit über 300 Jahren in Deutschland vorbildlich betrieben wird – ist CO2-neutral. Ein wichtiger Teil dieses Kreislaufs ist die Entnahme und Nutzung von Holz, das nicht mehr zur CO2-Speicherung beiträgt.

Weiterführende Informationen:
BUNDESWALDINVENTUR https://www.bundeswaldinventur.de
FACHAGENTUR NACHWACHSENDE ROHSTOFFE https://mediathek.fnr.de/grafiken.html
