Projekt Saerbeck

Entsorgungsgesellschaft Steinfurt mbH
Branche Energieversorgung / Entsorgung
Technik Dampf / KWK
Nennwärmeleistung 3.000 kW (Sattdampf)
Brennstoff Gebrauchtholz A I / A II, Landschaftspflegematerial
Überblick des Projekt Saerbeck bei der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt

ENTSORGUNGSGESELLSCHAFT SETZT AUF CO2-NEUTRALE ENERGIE

Die Entsorgungsgesellschaft Steinfurt mbH (EGST) koordiniert im Auftrag des Kreises Steinfurt die Abfallwirtschaft und ist im Bioenergiepark Saerbeck angesiedelt. Der Bioenergiepark Saerbeck ist ein herausragendes Beispiel für die sektorübergreifende Energiewende in Deutschland. Auf dem ehemaligen Munitionsdepot werden durch einen Energiemix aus Photovoltaik, Windenergie und Biomasse 33 Megawatt elektrische Leistung erzeugt – doppelt so viel Strom, wie im Gemeindegebiet benötigt wird. Doch damit nicht genug. Der Ort in der Nähe von Münster geht noch weiter, um sein erklärtes Ziel zu erreichen: Bis 2040 will der Landkreis klimaneutral sein!

Eine Drohnenaufnahme zeigt Windräder und PV-Anlagen in Steinfurt während die Sonne im Hintergrund untergeht

Unsere Anlage sorgt für...

5.280.000 kg

CO₂-Einsparung/Jahr

Umrechnungsgrundlage:
Emissionsfaktor: 0,3 t
CO₂-Einsparung pro MWh

„Die neue Anlage soll dazu dienen, dass wir unser Energiepotenzial aus den Abfällen besser nutzen können. Insbesondere werden wir unabhängiger vom Strompreis – und können künftig auch Bioerdgas Einpreisen und nutzen.“ 

Eva Witthake, Prokuristin EGST

BIOMASSEKESSEL ALS BASIS

Den Grundstein des Projekts bildet eine platzsparende Biomasseanlage, die es aber ganz schön in sich hat: Der Dampfkessel verfügt über eine Nennwärmeleistung von 3 MW (Sattdampf) und eine Dampfleistung von 4.600 kg/h!
Die in der Anlage erzeugte Wärme wird an die Abnehmer (Biomethanaufbereitung und Klärschlammtrocknung) übergeben. Zusätzlich ist eine Dampfturbine installiert – so wird ganz nebenbei noch grüner Strom produziert!

Inmitten einer grünen Landschaft von Bäumen liegt ein kleines Industriegelände mit Biomassekessel und einer Biogasaufbereitungsanlage
In einem Raum befindet sich ein Teil eines Biomassekessel. Er hat die Farbe Grün. Man erkennt verschiedenste Metallkonstruktionen die Kessel und Rohre Stabilität verleihen.
In einem Raum befindet sich ein Teil eines Biomassekessel. Er hat die Farbe Grün. Man erkennt verschiedenste Metallkonstruktionen die Kessel und Rohre Stabilität verleihen.

HERAUSFORDERUNG BRENNSTOFF: NUTZEN, WAS DA IST

Als Unternehmen, dass neben der Kompostierung auch die Entsorgung im Landkreis Steinfurt verantwortet, verfügt die EGST bereits über ein breites Brennstoffband. Der Brennstoffmix besteht vorwiegend aus Stoffen, die bereits vorliegen und vor Betrieb der Biomasseanlage anderweitig entsorgt oder verwertet werden mussten. Dazu zählen beispielsweise Holzfraktionen aus der Kompostaufbereitung und Landschaftspflegematerial in Kombination mit Gebrauchtholz der Klassen A I und A II.

Spezielle Feuerung für Schwierige Brennstoffe

Unsere Feuerungen für anspruchsvolle, hochkalorische Brennstoffe sind konsequent wassergekühlt – vom Rost bis hin zum Feuerraum. Das schützt die Anlage vor Überhitzung, erhöht die Lebensdauer und sorgt dafür, dass die Anlagen auch im Betrieb mit hochwirtschaftlichen Brennstoffen – wie beispielsweise Altholz – eine hohe Verfügbarkeit haben.

Das gibt es so nur bei uns!
Zeichnung des Inneren der Feuerraumkühlung zur Darstellung des Prozesses.
„Hier wird ein Brennstoffmix zum Einsatz kommen, und zwar überwiegend aus Stoffen, die wir bereits hier am Kompostwerk vorliegen haben und im Moment anderweitig entsorgen oder verwerten. Das sind eine Holzfraktion aus der Grünkompostierung und gesammelte Althölzer, beispielsweise hier vom Wertstoffhof.“ 

Johannes Wermers, Energiemanagement & Anlagenoptimierung EGST

2.250 MWH GRÜNER STROM JÄHRLICH!

Zusätzlich zur Wärmeerzeugung wird in der Biomasseanlage auch grüner Strom erzeugt und macht die EGST somit auch unabhängig vom Strompreis!

Der in der Anlage erzeugte Dampf mit einem Nenndruck von 25 bar(ü) wird an eine mehrstufige Kondensationsturbine weitergeleitet. Diese erzeugt eine elektrische Leistung von 350 kW, während der verbleibende Abdampf mit einer thermischen Leistung von 2.250 kW in einen Heizkondensator eingespeist wird.

Kombinierte Rauchgasreinigung stellt Emissionswerte weit unter dem vorgeschriebenen Standard sicher 

Schmidmeier NaturEnergie setzt auf eine mehrstufige Rauchgasreinigung, die Emissionen mühelos unter die gesetzlichen Grenzwerte senkt. Das Verfahren besteht aus drei Stufen:

 

SNCR-Anlage im Feuerraum:

  • Eindüsung von Reduktionsmittel in den Rauchgasstrom
  • Stickoxide werden zu Wasserdampf und Stickstoff reduziert
  • wichtig: richtiges Temperaturniveau!

Multizyklon

  • Abscheidung aller groben Staubpartikel
Zeichnung eines Multizyklon

Gewebefilter

  • Abscheidung selbst feinster Partikel mit einem Abreinigungsgrad von über 99%
  • Additiv-Dosierung im Filterkuchen bindet zusätzliche Schadstoffe
Zeichnung eines Gewebefilters
Rote Rauchgasrohe eines Biomassekessels in Steinfurt
Rote Rauchgasrohe eines Biomassekessels in Steinfurt
„Die Besonderheit liegt in dem Zusammenspiel des Bestandes mit den Neuanlagen. Die müssen aufeinander abgestimmt betrieben werden. Jede Anlagentechnik für sich ist bewährte Technik, die am Markt funktioniert. Aber das Zusammenspiel dieser Komponenten ist die Herausforderung hier.“

 

Johannes Wermers, Energiemanagement & Anlagenoptimierung EGST

BIOMETHANAUFBEREITUNG 

Statt das in der Biogasanlage gewonnene Gas für die Stromerzeugung zu nutzen, wird es zukünftig zu Biomethan aufbereitet und direkt in das Erdgasnetz eingespeist – und bietet so einen Ersatz für fossiles Erdgas!

Schnell brachte Schmidmeier die Idee ins Spiel, im Verfahren der Biomethanaufbereitung auf eine Aminwäsche zu setzen. Deutlicher Vorteil gegenüber anderen Verfahren: sie ist deutlich weniger stromintensiv und benötigt stattdessen Wärme. Diese Wärme kann kostengünstig über die Biomasseanlage bezogen werden, anstatt sich abhängig von unzuverlässigen und teils hohen Stromkosten zu machen.

die Biogasanlage der Entsrogungsgesellschaft Steinfurt im Sonnenaufgang
Die Biomasseanlage der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt aus der Vogelperspektive mit der Rohrbrücke

Da die Biogasanlage und die Aminwäsche am anderen Ende der Betriebsfläche angesiedelt sind, erfolgt die Wärmeübertragung über eine Rohrbrücke.

Schema des Prozess Biomethanaufbereitung

KLÄRSCHLAMMTROCKNUNG

Gleichzeitig war bekannt, dass in der Region ein hoher Bedarf an Klärschlammtrocknung entstehen würde. Die EGST nahm sich dieser Herausforderung an! Am Standort werden jährlich 18.000 t Klärschlamm aus den umliegenden Kommunen getrocknet – und das mit nachhaltiger Wärme aus der Biomasseanlage. Die Klärschlämme mit einer Restfeuchte von 20% werden anschließend in einem Silo gelagert.

Klärschlammtrocknung Prozess
Klärschlammtrocknung Prozess
Klärschlammtrocknung Prozess

DAS HIGHLIGHT: DAS ERSTE FEUER!

Immer ein ganz besonderer Moment für die Kunden und das Team: Das erste Feuer markiert den Start der Inbetriebnahmephase. In Saerbeck war es Ende September 2025 so weit.
Brennender Kessel. Im Vordergrund steht ein Feuerzeug mit der Aufschrift "EGST 2025".
Drei Personen schauen in einen brennenden Biomassekessel. Zwei davon tragen eine grüne Jacke.

TEAMWORK MAKES THE DREAM WORK (UND GANZ VIEL FLEIß..) –
IMPRESSIOnen AUS DER BAUPHASE

Vom Spatenstich im Juni 2024 bis zum ersten Feuer in der Biomasseanlage im September 2025 verging nur etwas mehr als ein Jahr!

Eine echte Meisterleistung, wenn man sich ins Gedächtniss ruft, wie komplex der Anlagenverbund und das Zusammenspiel der Komponenten ist. 

Spatenstich der Anlage in Saerbeck. Mitarbeiter und Geschäftsführer von EGST
Mitarbeiter vor dem Ofen, der eingeheizt wurde. Mit Holzstück und Geschenkkorb in der Hand.

Das wird nur möglich, durch eine extrem gute Kommunikation aller am Projekt beteiligten Firmen, eine hochprofessionelle Projektsteuerung und ein Team, das jeden Tag sein bestes gibt.

TEAMWORK MAKES THE DREAM WORK (UND GANZ VIEL FLEIß..) – IMPRESSIOnen AUS DER BAUPHASE

Vom Spatenstich im Juni 2024 bis zum ersten Feuer in der Biomasseanlage im September 2025 verging nur etwas mehr als ein Jahr!
Eine echte Meisterleistung, wenn man sich ins Gedächtniss ruft, wie komplex der Anlagenverbund und das Zusammenspiel der Komponenten ist.

Baustelle eines Biomassekessels während die Sonne tief steht. Der Grundriss eines Gebäudes und zwei Kräne sind zu sehen.

Das wird nur möglich, durch eine extrem gute Kommunikation aller am Projekt beteiligten Firmen, eine hochprofessionelle Projektsteuerung und ein Team, das jeden Tag sein bestes gibt.

Ein Mitarbeiter der Schmidmeier NaturEnergie mit Sicherheitsweste steht vor einer Komponente, die mit einem Kran transportiert wird. Er hält sich seine Hand vor das Gesicht um sich von der Sonne zu schützen.
„Aufgrund der Komplexität der Anlage und der Anlagenzusammenstellung, wollten wir einen Generalunternehmer haben, der Erfahrung mit diesen verschiedenen Techniken hat. Das haben wir dann europaweit mit einem Anforderungskatalog ausgeschrieben. Schmidmeier war der der beste Bewerber und hat den Zuschlag bekommen.
Herausragend ist die klare und direkte Kommunikation, die guten Abstimmungsgespräche auf technischer Ebene und die gute Zusammenarbeit im kaufmännischen Bereich. Es ist absolut auf Augenhöhe.“ 

Eva Witthake, Prokuristin EGST

Links: Eva Witthake, Prokuristin - Rechts: Johannes Wermers, Energiemanagement & Anlagenoptimierung
Links: Eva Witthake, Prokuristin. Rechts: Johannes Wermers, Energiemanagement & Anlagenoptimierung

DAMPF FREI: AUSBLASEN DER DAMPFLEITUNGEN

Was spektakulär aussieht, dient in erster Linie der Betriebssicherheit und der Qualitätssicherung in der Anlage. Bevor die Turbine in Betrieb genommen wird, werden die Dampfleitungen über ein Provisorium „ausgeblasen“. So wird sichergestellt, dass sich in den Leitungen keine Fremdpartikel mehr sind, die später Schaden an der Turbine anrichten können.

Dampf schießt aus einer Dampfleitung eines Biomassekessels. Im Hintergrund sieht man grüne Bäume.
Auf einem geteerten Industriegelände steht ein Biomassekessel in Verbindung mit schwarzen Gebäuden. Aus einem Dampfrohr schießt Dampf in die Luft.

Anlagedaten im Überblick

Leistung
Nennwärmeleistung 3.000 kW (Sattdampf)
Dampfleistung 4.600 kg/h
Kesselparameter Sattdampf, Betrieb 25 bar(ü), Absicherung 30,5 bar(ü)
Jährliche Wärmeerzeugung 22.000 MWh
Anlagedaten
Inbetriebnahme (Jahr) 2025
Feuerung Gegenstromfeuerung mit wassergekühltem Vorschubrost sowie primärer und sekundärer Rauchgasrezirkulation und wassergekühltem Feuerraum
Kessel liegender Rauchrohr-Großraumwasserkessel
Economiser Speisewassereconomiser
Rauchgasreinigung SNCR, Multizyklon und Gewebefilter mit Additivdosierung
Kraft-Wärme-Kopplung
Bauart Dampfturbine (Kondensation)
Elektrische Nennleistung 350 kW
Jährliche Stromerzeugung 2.250 MWh
Brennstoff
Brennstoffart Gebrauchtholz A I / A II, Landschaftspflegematerial
Jährlicher Brennstoffbedarf 8.700 t
Brennstofflager Brennstofflagerhalle mit Schubboden
Biogasaufbereitung
Bauart Drucklose Aminwäsche
Durchsatz Rohbiogas 350 m³/h
Durchsatz Biomethan 200 m³/h
Klärschlammtrocknung
Bauart Rührwerkstrockner
Durchsatz 18.000 t/a
Eingangs- und Restfeuchte TS 20% auf TS 90%

CO₂-Einsparung

5.280.000 kg
CO₂-Einsparung/ Jahr

Umrechnungsgrundlage:
Emissionsfaktor: 0,3 t CO₂-
Einsparung pro MWh

2.940 Jahre
Autofahren

(150 g CO₂/ km) mit einem
Mittelklassewagen und
12.000 km/ Jahr

40.600
Flüge

pro Person auf einem
einfachen Flug von München
nach Berlin (130 kg CO₂)

630
mal

die Jahres-Pro-Kopf-
Emissionen je Einwohner
in Deutschland (8,4 t CO₂/ a)